Nahaufnahme: Ivan Civic

27.12.12

Dieses Mal in unserer Nahaufnahme läd uns der Künstler Ivan Civic ein, einen Blick in seine vielseitige Welt aus Perfomancekunst, Design, Fotografie und die Liebe zu Jeremy Scott zu werfen. Ganz nebenbei verrät er uns sein wunderbares Haarmaskenrezept aus dem Supermarkt, das wahre Wunder wirken soll, sowie das Geheimnis hinter einer guten Sonnenbrille. Seid gespannt und viel Spaß beim Lesen.

Wer bist du? Was machst du?

Ich bin Künstler, bin in Sarajevo geboren, mache Performance, Videoinstallationen, Kurzfilme, Fotografie und interessiere mich sehr für Design und Architektur. Alles was kreativ ist, fasziniert mich.

Was sind deine drei Beautyprodukte? Warum genau diese?

Chanel “Cuir de Russie”

In erster Linie benutze ich Parfum. Ich wechsle im Laufe des Tages meinen Duft, d.h. ich benutze nicht nur einen, sondern entscheide je nach Lust und Laune. Düfte haben oft was mit Launen zu tun. Wenn ich nur einen einzelen Duft auswählen dürfte, dann wäre das “Cuir de Russie” von Chanel. Dieses alte Parfum von 1926 war der allererste Unisex Duft überhaupt. Die meisten enthaltenen Duftnuancen sind typisch männlich, wie z.B. Tabak oder Rauch. Gleichzeitig haben die Parfumeure von Chanel einen Hauch Rosenodeur ergänzt und so ein exquisites Bouquet von hart und weich entwickelt. Damals war es für die androgyne Dame gedacht, heute riecht es einfach einzigartig und wie nichts anderes auf dem Parfumeriemarkt. “Cuir de Russie” ist ein sehr auffälliger und nicht immer angenehmer Geruch. Wer diesen Duft trägt, sollte sich dessen Wirkung bewusst sein.

Das zweite Produkt ist eine Haarmaske. Dazu muss man eine Avocado schälen, das Fruchtfleisch zerquetschen und mit ein bisschen Bier vermischen. Das Ganze kommt dann als Kur auf die Haare und wird nach etwa einer Stunde Einwirk-Zeit ausgewaschen. Das kann sich jeder leisten. Es ist echt günstig und super gesund für die Haare. Trotz des Bieres riecht die Maske nicht schlecht. Diese Prozedur wiederhole ich wie ein Ritual jedes Wochenende.

In unserer heutigen Gesellschaft benutzen Damen wie Herren Make-up und es gibt Firmen, die Kosmetik und Schminke extra für Herren entwickeln, um ihnen die Möglichkeit zu geben Make-up zu kaufen, ohne sich dabei “verweiblicht” zu fühlen. Trotz enormer Fortschritte besteht immer noch eine imaginäre Grenze zwischen Männern und Frauen, das sollte meiner Meinung nach abgeschafft werden. Neben Make-up kaschiert man die Effekte und Auswirkungen der letzten Party, Müdigkeit, Alterung am schnellsten mit einer Sonnenbrille. Sonnenbrillen können verschiedene Formen haben und vermitteln zudem eine bestimmte Allure, wie Exklusivität, Unnahbarkeit, oder Freundlichkeit.

Ich finde Sonnenbrillen geben einem Menschen einen Rahmen und unterstützen seine Persönlichkeit – das sollte gutes Make-up übrigens auch tun. Die passende Sonnenbrille zu haben bedeutet, dass man in der Gesellschaft noch stärker auftreten und sich in Szene setzen kann. Oft ist die Sonnebrille in unserer Konsumgesellschaft zu einem Statussymbol geworden. Sie sind sozusagen die Ritualmasken unserer Konsumgesellschaft. Einst sind die Europäer in ferne, fremde Länder gereist, haben dort Ritualmasken als Souvenir mitgenommen und sie in Europa aufgehängt, ohne darüber nachzudenken, dass sie den Glauben dahinter entwürdigen. Dabei haben sie auch vergessen, dass wir selbst Ritualmasken haben, wie z.B. heute die Sonnenbrille. In gewisser Weise repräsentieren diese unsere Götter und Träume. Chanel hat einmal eine Brille entworfen mit integrierten Koteletten aus Acetat. Derjenige, der diese Brille trägt, tut das ganz bewusst und denkt dabei an seine persönliche Helden, wie z.B. Elvis Presley. Mein persönliches Lieblingsmodell ist aus den 90ern und passt sich perfekt meinem Gesicht an. Meine Liebe zu Sonnenbrillen kann man sich auf meiner neuen Seite Sunglassespreservation zu Gemüte führen. Verschiedenste Modelle von großartigen Designern aus aller Welt werden dort abgebildet und vorgestellt !

Hast du ein Beautyritual?

Meine Haarkur aus Avocado und Bier, die ich meist Sonntags auftrage.

Was ist für dich schön?

Alles, was ein gutes Gefühl verleiht, ist für mich schön. Schönheit kann innen sein oder außen, solange du beim Betrachten, Riechen oder Fühlen von etwas einen positiven Vibe zurückbekommst, ist das schön.

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Seit 2008 sammelt Ivan alles rund um den Designer Jeremy Scott, der sich zweimal im Jahr zu einer außergewöhnlichen Kollaboration mit adidas zusammentut. Die Liebe zu den bunten Designs brachte ihn auch zu seinem Job im No.74 Store in der Torstrasse, in dem exklusive Adidas Brands erhältlich sind. Dort lebt und trägt er die extravaganten Entwürfe des amerikanischen Designers, kümmert sich um das Merchandising und vertreibt bei den Kunden durch seinen spielerischen Umgang mit den kunterbunten Designs die Angst vor’m Auffallen. Nach seiner Façon ist die Kleidung von Jeremy Scott mehr Spielzeug als Fashion und sollte stets mit einem Augenzwinkern und der gewissen Prise Selbstironie getragen werden.