MBFW 2014: Interview mit Streetstyle-Fotograf Søren Jepsen

22.07.14
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Zur Fashion Week treffen wir jedes Mal den sympathischen Søren Jepsen – nicht selten auf der Tanzfläche irgendeines Clubs – seines Zeichens Streetstyle-Fotograf aus Kopenhagen und Gründer des Blogs The Locals. Mit seiner Freundin zusammen hat er letztes Jahr auch noch einen unserer liebsten Travelblogs gegründet: 12hrs.  Als er dann im Regen auch ein Bild von mir für Style.com (ja wirklich!) knipste, hab ich ihm direkt ein paar Fragen zu Stil, Berlin und seinem Beruf gestellt.

 

Style.de: Wie kamst du zur Streetstyle-Fotografie?

Søren: Ich habe vor ungefähr sechs Jahren angefangen, Leute auf der Straße zu fotografieren – nur so, als Hobby. Ich hab das nebenbei gemacht zu meiner eigentlichen Arbeit in einem Grafikbüro, während ich auch noch halbtags in einem Kaffee jobbte. Mir hat das aber sehr viel Spaß gemacht mit der Fotografie und bei einem Road-Trip durch Amerika habe ich die ersten Streetstyle-Blogs dort entdeckt. Als ich dann nach Kopenhagen zurück kam, habe ich festgestellt, dass das hier noch niemand machte. Also habe ich einfach damit angefangen und wollte das aufbauen. Damals hab ich den Blog zusammen mit meiner Ex-Freundin gemacht – es hieß “Copenhagen Streetstyle”. Als wir Schluss machten, hatte sie keine Lust mehr auf die Zusammenarbeit, also machte ich alleine weiter, denn ich sah einfach zu großes Potential in der Sache, als sie einfach so aufzugeben. Das ist nun drei Jahre her – Ich gründete The Locals! Und jetzt ist es mein Beruf.

 

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Style.de: Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Søren: Nicht zu formal, nicht zu casual – wenn möglich, ein guter Mix zwischen beidem. Und ich denke, dass ich eine sehr skandinavische Herangehensweise an Mode habe. Ich bevorzuge Simples etwas allzu wildem. Wenn ich einkaufen gehe, suche ich lieber nach einem qulaitativ hochwertigem Teil, anstatt drei Dinge zu kaufen, die die nächste Saison nicht überleben. Aber ab und zu kann ich einem Outfit mit Augenzwinkern nicht wiederstehen. Ich besitze eine stetig wachsende Sammlung von Comic Helden auf Sweters und Shirts, so wie Kermit der Frosch und Batman. Ein kleines Lachen dann und wann kann niemals schaden.
 
 

“When I’m shopping, I prefer to invest in one quality item rather than buying three things that won’t last until next season”

 
 
Style.de: Wie ändert sich deine Arbeit je nach Aufenthaltsort? Merkst du Unterschiede?

Søren: Hier in Berlin finde ich es toll, dass es einen guten Mix von mehr oder weniger normalen Leuten gibt, auf die ich mich dann fokusieren kann. Ganz anders, als bei den anderen Fashion Weeks, da ist es ganz klar mein Job, die wichtigen Menschen heraus zu filtern: Editors von großen Magazinen, Models und natürlich Stars. Hier in Berlin ist es einfach entspannter, jünger – ein bisschen mehr wie ich selbst (lacht). Hier muss es nicht der richtige Mensch mit dem richtigen Outfit und den richtigen Labels sein. Hier ist es einfach nur purer Style, der Rest ist zweitrangig.

 

Style.de: Macht es dann hier auch mehr Spaß?

Søren: Beides ist toll! Dieses entspanntere Arbeiten und die Fotos, die dabei herauskommen passen einfach besser auf The Locals. Meine Leser können damit auf lange Sicht mehr anfangen, weil es ganz normale Menschen sind – wie du und ich – die einfach nur gut angezogen sind. Für meine anderen Jobs – z.B. fotografiere ich ja auch für die Vogue – ist natürlich Paris oder New York unabdingbar! Auch für Style.com habe ich zum ersten Mal gearbeitet:

 

Guckt mal, wie toll das geworden ist, und ein paar altbekannte Gesichter sind sogar auch dabei:

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Hui, da bin ja ich :)
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Alle Bilder: Søren Jepsen via Style.com

-> alle Bilder gibt’s hier!

 

Style.de: Gibt es für dich DEN Berliner Style? Und wie sieht der aus?

Søren: Ich beobachte, dass sich der Berliner und der Kopenhagen-Style immer mehr annähern. Mädchen tragen Slim-Jeans zu Oversize-Pullis und ausgefallene Sneaker. In Stockholm und Paris zum Beispiel ist alles sehr viel “angezogener”, markenbewusster, schicker. In Berlin, sowie Kopenhagen ist alles sehr viel mehr “Streetstyle” – ich würde die beiden Städte sogar fast miteinander auf eine Stufe stellen – es geht in erster Linie um junge Menschen, Spaß, Parties und Leben.

 

Style.de: Ich war erst einmal in Kopenhagen.

Søren: Es ist nicht groß, vielleicht so wie Berlin-Mitte. Jeder kennt jeden – ich mag Kopenhagen sehr gerne, außer dass es leider ziemlich teuer ist!

 

Style.de: Was hat dir bei dieser Fashion Week in berlin am besten gefallen?

Søren: Diese Saison habe ich die Berlin Fashion Week sehr genossen. Einige Highlights waren für mich dieses Mal die Shows und Präsentationen von Perret Schaad, Clemens en August, Malaikaraiss und Dawid Tomaszewski. Und wie immer in Berlin war es toll, so viele Freunde und Bekannte zu treffen, die ich schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte.

 
Noch diese Woche wird Sørens Baby “The Locals” in ganz neuem Glanz erstrahlen. Wir sind gespannt!

 

 

Interview: JULIA ZIERER