Interview mit ‘Schwarz Dont Crack’-Sänger Ahmad Larnes

26.03.13

Wenn wir an Minimal-R’n’B- Sound aus Berlin denken, müssen wir unbedingt Schwarz Dont Crack dazuzählen. Innerhalb von einem Jahr hat sich das Duo um Sebastian Kreis und Ahmad Larnes mit ihren beatlastigen Sound und den emotionalen Texten einen Namen gemacht. Heute Abend werden sie als Vorband von Jessie Ware (ihr Song “Wildest Moments” ist seit geraumer Zeit ein nichtmehr wegzubekommender Ohrwurm in meinem Kopf) auf der Bühne im Astra stehen.

Dies nahmen wir zum Anlass, um uns mit Ahmad Larnes, New Yorker Künstler und Sänger von Schwarz Dont Crack, über Berlin, die Liebe und seine musikalischen Vorbilder zu sprechen. In einem Interview stand uns der sympathische Herr Rede und Antwort. Einen hübschen Film über das Konzert und das Interview gibt es von uns hier bald noch obendrauf!

 

Style.de: Du kommst ursprünglich aus New York. Wieso bist du vor zwei Jahren nach Berlin gekommen?

Ahmad Larnes: In New York habe ich angefangen, Musik zu machen und habe das irgendwann auch zu meinen Beruf gemacht. Irgendwann hat mich diese Stadt aber einfach nicht mehr inspiriert. Ich hatte sogar buchstäblich so etwas wie Angst-Attacken, wenn ich daran dachte, für immer in den USA zu bleiben, also wollte ich ein Leben irgendwo anders beginnen – ich entschied mich für Berlin.

 

Style.de: Wie lebt es sich als junger Künstler in Berlin, im Vergleich zu New York?

Ahmad Larnes: Meine Erfahrung mit Berlin ist, das diese Stadt einfach von Techno-Musik getrieben wird. Für Leute, die also in diesem Musikgenre arbeiten, ist Berlin großartig – es gibt hier unfassbar viele Dj’s und Künstler, die sich mit dieser Art von Musik beschäftigen. Ich finde es aber trotzdem echt schwierig zu sagen, ob New York oder Berlin für aufstrebende Künstler einen besseren Nährboden bieten. Ich persönlich finde es leichter, in Berlin Fuß zu fassen, denn hier gibt es ein große Community, die zusammenhält, dich wahrnimmt und einander auffängt -in New York ist das eher nicht so: da gibt es mehr Konkurrenzdruck und die meisten verhalten sich dann auch so. Man ist allein!

 

Style.de: Was war dein erster Musikmoment? Wann hast du entschieden, Sänger zu werden?

Ahmad Larnes: Bevor ich als Kind eine Gesangsschule für Knaben besuchte, sang ich immer in den Gottesdiensten meines Stiefopas, er war Pastor in einer Kirche. Da bin ich das erste Mal so richtig in Berührung mit Musik gekommen und war teilweise auch sehr berührt davon. Singen hat seitdem einen besonderen Stellenwert in meinem Leben: ich kann dadurch besser meine Gefühle ausdrücken, kann bestimmte Situationen besser bestehen, wenn ich singe – es gibt mir Kraft. Musik ist mein Leben!

Spätestens an der Uni hab ich dann gemerkt, dass ich unbedingt Sänger sein will, habe aber erst 2010 meinen festen Job aufgegeben, um mich voll und ganz der Musik widmen zu können (davor hab ich Fashion Fotoshootings in New York organisiert und produziert – unter anderem für Ralph Lauren und Calvin Klein).

 

Style.de: Schwarz Dont Crack ist ein Duo – Wie habt ihr euch gefunden, Sebastian Kreis und du?

Ahmad Larnes: Das ist eine witzige Geschichte. Ich kam nach Berlin mit wirklich gar keiner Ahnung, was ich machen sollte. Ich hatte eine Tasche mit Klamotten gepackt und ein One-Way Ticket nach Berlin. Ich hatte wirklich Angst! Auf Craigslist habe ich dann ein Inserat gepostet, dass ich einen Partner in Sachen Musik suche – dabei war ich mir natürlich nicht bewusst, dass Craigslist in Deutschland gar nicht so populär ist wie in den USA (lacht). Daraufhin hat sich aber Sebastian gemeldet und mir seine Musik geschickt. Ich war wirklich beeindruckt! Wir trafen uns, haben einen Song aufgenommen (“Day by Day”) – und seitdem spielen wir zusammen.

 

Bild: Dirk Oelmann

Style.de: Und wer ist für was zuständig?

Ahmad Larnes: Ich schreibe die Texte, komponiere die Sing-Melodien und singe. Sebastian produziert die Beats und die komplette Musik.

 

Style.de: Woher nimmst du die Ideen für deine Songs?

Ahmad Larnes: Ich werde jetzt mal ganz ehrlich sein: die meisten Songs, die wir als Schwarz Dont Crack machen, handeln von Liebe. Liebe, die man verloren hat – Liebe, die man unbedingt will – Liebe die man nicht bekommt. Das soll aber nicht schnulzig sein, sondern sehr aufrichtig und ehrlich. Die Sache ist aber die, das ich nicht verliebt bin und wirklich schon lange nicht mehr verliebt war. Neuerdings passiert allerdings etwas und ich bin gerade irgendwie dabei, mich zu verlieben – glaube ich. Das aber nur nebenbei (lacht).

Aber wenn ich ehrlich bin, springt meine Phantasie mehr auf Musik an als auf meine Situation, in der ich mich befinde. Ich höre ein Stück von Sebastian und baue dann eine Singstimme drum herum. Bei mir gibt es nicht so etwas wie “Ich habe Kafka gelesen” oder so. Bei mir ist das Texte schreiben und Singen weniger intellektuell bedingt, sondern eher spontan und gefühlsbetont.

 

Style.de: Ist Mode wichtig für dich? 

Ahmad Larnes: Ja unbedingt! Man hat das schon tausendmal gehört, aber ich sag es jetzt nochmal: Mode ist dazu da, sich selbst auszudrücken in seiner ganz eigenen Individualität. Ich frage mich oft: “Warum sind viele Leute so gleich angezogen und rennen jedem Trend hinterher?” Nicht dass ich mich für jemand besonderen halte, aber mich verwirrt das einfach irgendwann. Mode ist für mich einfach ein Weg, sich optisch von anderen abzugrenzen, dabei passiert es so oft, dass alle sehr ähnlich aussehen. Das finde ich schade! Ich habe sogar ein bisschen Angst davor, zu sehr mit dem Strom zu schwimmen (lacht).

 

Style.de: Wie würdest du deinen Style beschreiben?

Ahmad Larnes: Ich werde definitiv von der Mode in den 90ern beeinflusst. Ich mag Jeans, die etwas höher sitzen, ich mag es wenn ich meine Hose hochkremple, weil ich Fesseln toll finde! Manchmal stecke ich meine Hose auch in die Socken. Ich liebe große T-Shirts und ich mag es sehr, wenn die Silhouette oben voluminös und unten eher schmal ist. Zusammenfassend sind mein größter Einfluss aber nach wie vor die 90′s!

 

Style.de: Bemerkst du einen Wandel in deinem Style, seitdem du in Berlin wohnst?

Ahmad Larnes: Ja, auf jeden Fall! In New York war es relativ limitiert, sich über Mode auszudrücken. Das lag natürlich an mir, denn ich war ultrasensibel darauf, wie Leute auf mich reagierten – viele waren einfach ingnorant oder gemein, wenn man anders aussah. Hier in Berlin ist das ganz anders: ich kann tragen, was ich will. Hier ist das einfach kein großes Ding! Ich liebe das! Es ist meine Chance, mich ohne Worte auszudrücken.

 

Style.de: Ahmad in drei Worten?

Ahmad Larnes: Fokussiert, abenteuerlustig und (Anm.d.R. Ahmad überlegt sehr lange)…glücklich (lacht)!

 

Style.de: Hast du irgendwelche musikalischen Vorbilder?

Ahmad Larnes: Ich bin ein großer Prince-Fan, das zu allererst. Prince war für mich seit meiner Jugend ein großes Vorbild! Meine Mutter hat damals viel Old School Musik gehört – und ganz nebenbei erwähnt, hat auch sie mich immer sehr inspiriert! Das sind dann Künstler wie Stevie Wonder, Chaka Kahn oder De Angelo. James Blake mag ich auch sehr gerne oder PJ Harvey… für mich als Sänger geht es nicht nur um technisches Singen sondern um Emotionen – selbst Whitney Houston gefällt mir, weil sie mit ganz viel Herz singt. Es geht darum, die Worte und Melodien richtig zu spüren, anstatt nur zu singen.

 

Style.de: Ihr tourt gerade durch Deutschland mit Jessie Ware. Wie wurde sie auf euch aufmerksam?

Ahmad Larnes: Das Ganze fand über Melt Booking statt. Ich war in Paris während der Fashion Week, dort habe ich nicht nur tolle Shows sehen dürfen, sondern auch ganz viele Leute getroffen und kennen gelernt. Und das ist ja im kreativen Metier das A und O. Alex Sousa, ein Freund von mir, war auch in Paris und wir haben über meine Musik gesprochen. Er wiederum kennt Jessie Ware und ist glaub ich der wahre Grund, warum das jetzt letztendlich geklappt hat mit uns als Vorband.

Jessie Ware ist toll und wir sind total froh, dass wir diese kleine Tour in Deutschland mit ihr machen dürfen. Heute Abend findet ja das Konzert in Berlin statt, morgen Abend dann in Hamburg!

Vielen Dank für das Interview, Ahmad! Es war uns ein Fest!

Listen to the original Interview here!