Interview mit Syra Schenk, Commercial and Administrative Director bei Christophe Lemaire

23.08.12

Bei dem gestrigen Weekday Event haben wir Syra Schenk getroffen. Sie ist der Kopf von Christophe Lemaires gleichnamigem Label und hat uns über die Zusammenarbeit des Hermés-Designers mit Weekday erzählt. Ein nettes Gespräch über Lemaires Stil, die Entscheidung mit Weekday zusammen zu arbeiten und darüber, wie Mode im besten Fall sein soll.

 

Style.de: Liebe Syra, danke dass du dir Zeit für uns nimmst! Wie kam denn die Kollaboration mit Weekday zustande?

Syra Schenk: Sehr viele Leute stellen uns diese Frage, weil sie es ein bisschen eigenartig finden oder unkonventionell, dass es nun Christophe Lemaires Entwürfe bei Weekday zu kaufen gibt. Es kam alles so zustande, dass Monsieur Lemaire sehr eng mit Samuel Drira, dem Gründer des Avantgarde-Magazins Encens zusammenarbeitet. Schon seit Jahren ist Samuel Drira als Stylist sowohl für die Kollektion von Christophe Lemaire als auch die von Hermès tätig. Im Oktober 2011 war er an der erfolgreichen Kollaboration zwischen Weekday und Bruno Pieters beteiligt. Irgendwann danach kam er auf Monsieur Lemaire zu und überzeugte ihn, dass Weekday keine typische High-Street-Kette sei, sondern eine sehr interessante Marke, mit der man eine Kooperation überdenken sollte. Ich habe mir das sehr lange überlegt, denn ich bin ja schließlich für die kommerzielle Strategie zuständig. Passt das zu unserem Stil? Ist das kein zu großer Spagat?

Wir sind dann zu dem Schluss gekommen, dass Weekday ein passender Kollaborationspartner für uns ist. Das ganze Konzept, das hinter der Marke steht hat uns gefallen. Mode, die nicht nur für die wohlhabenden Leute bezahlbar ist, sondern Mode, die sich auch Menschen wie “Du und ich” leisten können, ohne an gutem Design einzubüßen. Bei Weekday ist es auch anders, als bei vielen klassischen high-street Labels, die oft nur Trends von den Laufstegen eins zu eins kopieren: die bei Weekday haben ihre eigenen Designer und das merkt man auch.

Darüber hinaus ist es ja mittlerweile in der Mode auch üblich, alles zu mischen. Unser ganzes Team, ich und Christophe Lemaire selbst tun das natürlich auch. Niemand ist immer nur mit Top-Labels gekleidet, sondern mixt die teuren Teile gerne auch mit high-street Labels oder Vintage-Fundstücken. Das ist der Stil von heute. So kreiert man schließlich seine eigene Persönlichkeit und seinen ganz eigenen Stil. Und genau darum finden wir diese Kollaboration auch so treffend. Monsieur Lemaires Idee ist es, die ideale Garderobe zu kreieren, Stücke zu schaffen die man lange trägt, die einem etwas bedeuten und mit denen man vor allem seine eigene Persönlichkeit ausdrücken kann. In seinen Augen soll man sich ein Kleidungsstück aneignen. Wir hoffen, dass die Leute unsere Intention verstehen, mit einem Highstreet-Label wie Weekday zusammenzuarbeiten.

Davon abgesehen sind wir sehr unkonventionell in unserer Verkaufsstrategie: Wir brauchen kein großes Theater um uns herum, wir machen vieles nicht so, wie es die anderen machen: es gibt keine große Show und wir werden alternativ vertrieben. In New York haben wir zum Beispiel zwei Läden, die neben Christophe Lemaire auch Vintage anbieten. Es geht uns also eigentlich darum, dass man eine Vision zeigt, mehr als dass man einen Namen zeigt.

 

Christophe Lemaire Women

 

Style.de: Hat sich Christophe Lemaires Designstil für die Kollaboration mit Weekday verändert?

Syra Schenk: Das ist keine speziell für Weekday designte Kollektion. Weekday hat ja unsere eigene Kollektion eingekauft. Das heißt es ist 100% Christophe Lemaire. Natürlich gibt es nicht die ganze Kollektion, sondern eben nur einzelne Teile daraus. Die Einkäuferinnen von Weekday haben sich unsere Sachen angeguckt und ihre Selektion hängt nun in den Läden. Damit geht Weekday zu dem zurück, was es ist: ein Multi-Brand-Laden.

 

Style.de: Da die Kollektion heute wegen Lieferproblemen leider noch nicht angekommen ist, gucken wir einfach mal in das Lookbook. Kannst du uns etwas zu den Entwürfen erzählen?

Syra Schenk: Ja, das ist so schade, dass die Spedition es nicht geschafft hat, die Kollektion pünktlich anzuliefern. Aber spätestens am Freitag ist sie bestimmt da! (Anm. der Redaktion: Madame Schenk nimmt das Lookbook von Christophe Lemaire zur Hand und zeigt, welche Stücke bei Weekday erhältlich sein werden. Nebenbei plaudert sie über das Design und die Kollektion) Auf den ersten Blick erscheinen viele der Designs sehr schlicht und einfach. Wenn man dann aber genauer hinsieht, merkt man, dass jedes einzelne Stück sehr durchdacht ist. Jeder Look ist in einem spezifischem Stoff gedacht. Unsere Kollektionen sind nie riesig, sondern eher klein aber dafür sehr präzise. Es gibt viele Leute, die Monsieur Lemaire vorwerfen, etwas “trocken” zu sein, weil er keine Miniröcke oder supersexy Kleichen kreiert.

Es ist eben sein Stil, dem Betrachter erst beim zweiten Blick mit dem Besonderen an seiner Mode zu überraschen. Es ist ihm wichtiger, dass die Sachen eine gewisse Sinnlichkeit ausstrahlen, als offensichtlich sexy zu sein. Subtile Weiblichkeit bedeutet ihm viel! Transparenzen, durchdachte Schnitte und eine tolle Auswahl an geschmeidigen Stoffen sind ihm stattdessen viel wichtiger!

 

Christophe Lemaire Men

 

Style.de: Und in welcher Preisklasse befinden sich die Stücke, die wir ab heute bei Weekday kaufen können?

Syra Schenk: Es ist nicht die Preisklasse, in der sich zum Besipiel die Eigenmarken von Weekday ansiedeln oder das was man sonst von Kollaborationen gewohnt ist. Wir sind aber der Meinung, dass das trotzdem funktionieren kann. Denn wenn man ein Teil wirklich liebt, dann wird man darin investieren. Es ist ja auch zeitlose Mode, die Lemaire designen will – qualitativ sehr hochwertig und deswegen etwas kostspieliger, als zum Beispiel MTWTFSS oder Cheap Monday. Das Günstigste aus der Kollektion ist eine leichte Bluse für Damen und ein Hemd für Herren, beides für 225 €. Das teuerste Stück ist ein großartiger und sehr wärmender unisex Wintermantel für 795 €.

 

Style.de: Syra, vielen Dank für das Gespräch! Wir sind schon ganz gespannt auf die Kollektion!

Syra Schenk: Danke Dir! Ich habe mich sehr gefreut ein bisschen mit dir plaudern zu können!