Berlin Showroom: Interview mit Projektleiterin Judith Guckler

13.03.13

Unsere deutsche Hauptstadt galt lange Zeit als die europäische Party-Metropole mit dem ausgeflippten aber nicht unbedingt geschmackvollem Style. “Berlin ist doch da, wo sich junge Kreativlinge günstig einnisten können und auf kurz oder lang irgendwann alle etwas mit Kunst machen!” In der Mode wurde dieses Bild leider oft adaptiert und Berliner Modedesigner haben es nach wie vor nicht gerade leicht, auf dem internationalen Markt ernst genommen zu werden. Einen bedeutenden Schritt zur Aufklärung dieser eindeutig falschen Sachlage hat nun das Team von Arne Eberle press & sales gewagt: Zusammen mit dem Senat hat die Agentur nämlich den Berlin Showroom in Paris ins Leben gerufen, bei dem mehr als 600 Fachbesucher aus aller Welt sehen konnten, dass Berliner Design herzlich wenig mit crazy Patchwork-Outfits und selbstgenähten Love-Parade-Kostümen zu tun hat. Wir haben der Projektleiterin Judith Guckler von Arne Eberle press & sales ein paar Fragen gestellt.

 

Style.de: Die Idee zum Showroom entstand im Rahmen des Außenwirtschaftsförderungsprogramm der EU und des Berliner Senats. Wie kam die Zusammenarbeit mit Arne Eberle press + sales zustande?

Judith Guckler: Die Idee, dass Berliner Labels im Ausland zeigen, kam vom Senat. Die finanziellen Mittel kommen zum größten Teil aus der Außenwirtschaftsförderung des Landes Berlin und des angeschlossenen Programms “Neue Märkte erschließen” und wird von der Europäischen Union (European Regional Development Fund) kofinanziert.

Die Idee eines eigenes Showrooms kam von uns. Letztendlich ist Tanja Mühlhans dann an uns, also an die Agentur, herangetreten und hat uns darauf hingewiesen, dass es eine Ausschreibung für solch ein Projekt gibt. Daraufhin haben wir uns natürlich beworben, weil auch wir schon länger mit dem Gedanken eines Berlin Showrooms im Ausland gespielt haben. Wir machen ja schon seit 6 Saisons den Collect Showroom in Berlin und haben deswegen zum Glück schon eine gewisse Showroom-Organisations-Erfahrung (lacht). Letztendlich hat es geklappt und wir durften unsere Ideen in das Projekt mit einfließen lassen.

 

Style.de: Wer hat die Designer ausgewählt und wie ging das von statten?

Judith Guckler: Es gibt die Aufnahmebedingung, dass alle Labels, die beim Berlin Showroom mitmachen, tatsächlich in Berlin gebased sein müssen, also haben wir zuallererst einen Aufruf per Mailing an alle Designer gestartet, die uns eingefallen sind und die wir uns vorstellen konnten. Die Labels mussten sich dann offiziell bewerben und am Ende hat eine Jury bestehend aus verschiedenen Modeexperten, uns und dem Senat entschieden, wer nun letztendlich dabei ist.

 

Style.de: So etwas Neues auf die Beine zu stellen war bestimmt anstrengend und Sachen gehen zwischendurch schief. Gab es einen Moment, an dem du am liebsten alles hingeschmissen hättest?

Judith Guckler: Es war auf jeden Fall immer das Ziel vor Augen und wir wussten einfach die ganze Zeit, dass wir das irgendwie hinkriegen müssen und auch wollen! Manchmal will vielleicht alles nicht so werden, wie man’s gerne hätte. Die anstrengendste Aufgabe war, eine passende Location in Paris zu finden, das Thema hat mir auch ein paar schlaflose Nächte bereitet. Es war einfach sehr schwierig, etwas Hübsches zu finden, was zentral lag, zur Fashion Week in Paris noch nicht gebucht war und vor allem bezahlbar war.

 

 

Style.de: Hattest du eine Inspiration zur Gestaltung des Showrooms? Gab es Vorbilder?

Judith Guckler: Wir hatten Glück und unsere Location, die Espace Topographie de l’Art, war etwas rougher als viele Pariser Etablissements und hatte einen für Paris so untypischen und für Berlin so wunderbar typischen Industrie-Flair. Von daher hat die Location eigentlich vorgegeben, wie der Showroom dann letztendlich aussah.

 

Style.de: Wie kommt der Berliner Stil in Paris an?

Judith Guckler: Auf jeden Fall sind die Leute total neugierig auf die Berliner Mode. Wir hatten auch einige ganz tolle Besucher im Showroom, sowohl Presse als auch Einkäufer: Die Einkäufer von Colette und Ra aus Antwerpen waren da und auch Diane Pernet hat uns einen Besuch abgestattet. Die haben das alle tatsächlich sehr zu schätzen gewusst, dass sie alles hier so geballt präsentiert bekommen. Also da herrscht in erster Linie wirklich ein große Neugier. Ich habe auch sehr oft gehört, dass die Leute über die Vielfalt überrascht waren, die wir hier gezeigt haben. Konservative Leute verstehen langsam, dass nicht nur schräg zusammen genähtes Zeug aus Berlin kommt, sondern durchaus auch minimalistische oder komplett schwarze Kollektionen den Berliner Stil repräsentieren.

 

Style.de: Gibt es ein bestimmtes Lieblingsteil eines Designers, das du dir persönlich sofort kaufen würdest?

Judith Guckler: Ich hab versucht, garnicht so viel zu gucken, denn das ist ja auch gefährlich (lacht). Es gibt allerdings einige Kollektionen, die ich total gerne mag, z.B. die von Dawid Tomaszewski, Michael Sontag ist auch ein großer Favorit von mir! Aber im Endeffekt sind alle Labels einfach sehr speziell und besonders.

 

Style.de: Was hattet ihr auf eurer Playlist im Showroom?

Judith Guckler: Die Playlist hat Arne gemacht. Ich erinnere mich auf jeden Fall an Planningtorock und Hildegard Knef. Berlin war ja schon irgendwie das Thema des Showrooms und deswegen lief auch viel deutsche Musik.

 

 

Style.de: Wird es den Showroom in der nächsten Saison wieder geben?

Judith Guckler: Ja! Es wird im Oktober wieder einen Showroom während der Modewoche in Paris geben und sicherlich wird es auch 2014 weitergehen. Wir haben die Idee, den Showroom noch weiter auszuweiten, so dass wir vielleicht auch während der Männer-Modewoche präsentieren können. Das sind natürlich alles noch ungelegte Eier, aber wir gucken auch schon mit verstohlenem Auge nach New York oder Shanghai. Es ist auf jeden Fall ein Projekt, das man ausbauen kann und man darf gespannt sein, was noch passiert!

 

Alle Bilder vom Showroom: Pawel Mordel

Portrait: Julia Zierer