“100 beards” Interview mit Fotograf Jonathan Daniel Pryce

04.03.13

Wie wir bereits vor einiger Zeit öffentlich bekundet haben, lieben wir Männer mit Bart. Deshalb ist der Bildband des Londoner Fotografen Jonathan Daniel Pryce auch genau nach unserem Geschmack.

Der Fotograf gewann 2012 bei den Scottish Fashion Awards den Preis “Photographer of the Year”, was ihn direkt dazu beflügelte seinen kreativen Ideen freien Lauf zu lassen und mit Streetstyle-Fotografien und im Besonderen mit Bildern von hübschen, eindrucksvollen Bartträgern zu beginnen. Entstanden ist daraus neben einem Tumblr und Ausstellungen in verschiedenen Galerien das Buch “100 beards”. Bei seinem neuen Projekt widmet sich der Künstler den unbekannten Gesichtern in der Männermode, zudem steht ein Roadtrip durch Amerika an. Aber lest selbst, was uns der sympathische Jonathan alles so verraten hat.

Wann hast du beschlossen ein Buch voll mit Fotografien bärtiger Männer zu veröffentlichen?

Alles begann mit der Challenge 100 Bartträger in 100 Tagen zu fotografieren. Zunächst veröffentlichte ich die Bilder auf meine Tumblr “100 Beards, 100 Days” und stellte dann die Fotografien in Galerien in Edinburgh, Glasgow und Paris aus. Das Projekt begann sich zu verselbstständigen und so wachte ich eines Morgens auf, hatte eine überfülltes Mailfach und die Google-Analytics-Zahlen schossen immer weiter in die Höhe. Da ich nie in London ausgestellt hatte, dachte ich mir, warum nicht ein Bildband aus all den Fotografien erstellen.

Soll das Buch eine bestimmte Message transportieren?

Es ist eine Dokumentation über Haarwuchs im Gesicht. Ich urteile nicht über die Personen oder versuche einen Stil zu diktieren. Wenn ich beschließe ein Foto zu machen, dann spielt es für mich keine Rolle welche Länge, Farbe oder Form der Bart hat.

Wie würdest du deinen eigenen persönlichen Style beschreiben?

Ich habe einen sehr klassichen Geschmack und liebe Vintage-Appeal. Ich mag natürliche Materialien und gut sitzende Anzüge, außerdem gefällt mir das traditionelle Schottenkaro. Wenn ich einen gut geschittenen Anzug mit Karomuster entdecke bin ich ein glücklicher Mann. Wenn ich fotografiere, muss ich mich wohl fühlen in meiner Kleidung und sie sollte in gewisser Weise bequem aber dennoch elegant und chic sein.

Wie wählst du die Menschen für deine Photoshoots aus?

Oft passiert das ganz automatisch und ich verlasse mich weitesgehend auf meinen Instinkt. Wenn ein Streetstylebild zu durchdacht ist, wirkt das Ergebnis oft befangen und gehemmt, das verabscheue ich.

Gibt es so etwas wie Gemeinschaftsgefühl der Bartträger?

Ich beobachte tatsächlich so etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter bärtigen Männern in London und je mehr ich mich mit der Materie befasse, desto faszinierender finde ich die Vorstellung einer Bartträgergemeinschaft. Es scheint als haben sie eine geheime Sprache. Manchmal reicht ihnen schon ein Augenzwinkern als Kommunikationsmittel, ja ich würde sagen es herrscht sowas wie Kameradschaftlichkeit unter den meisten von ihnen.

Gibt es bereits Pläne für die Zukunft?

Ja einige. Zurzeit gibt es ein neues Projekt, dass sich mit den unbekannten Gesichtern in der Männermode beschäftigt, die unbedingt mehr Beachtung verdient haben. Die Bilder dazu findet man auf dem Tunblr “The-Inside-Man“. Außerdem wurde ich von einer amerikanischen Galerie angefragt, ob ich “100 beards” dort ausstellen möchte. Das hat mich dazu gebracht über eine amerikanische Version von “100 beards, 100 days” nachzudenken.

Special thanks to Jonathan! We are looking forward to seeing more of your work.